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Krankenversicherung in der Schweiz: Das müssen Auswanderer wissen

Eine Brücke in der Natur als Symbol für Krankenversicherung in der Schweiz

Die Krankenversicherung in der Schweiz funktioniert anders

Wer in die Schweiz auswandern möchte, kommt um ein Thema nicht herum: die Krankenversicherung in der Schweiz. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es kein gesetzliches oder privatwirtschaftliches Zweiklassensystem. Stattdessen ist jede Person verpflichtet, eine private Grundversicherung abzuschließen – unabhängig vom Einkommen.

Versicherungspflicht: Jeder muss sich selbst versichern

Die Krankenversicherungspflicht gilt für alle Personen mit Wohnsitz in der Schweiz – also auch für alle Auswanderer mit einer Aufenthaltsbewilligung (z. B. B-Bewilligung oder C-Bewilligung).

Innerhalb von 3 Monaten nach Anmeldung beim Einwohneramt musst du eine Krankenversicherung nach dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) abschließen.

Wichtige Punkte:

  • Jeder versichert sich individuell – es gibt keine Familienversicherung wie in Deutschland.
  • Auch Kinder müssen separat versichert werden.
  • Wer den Nachweis nicht rechtzeitig erbringt, wird zwangsversichert und rückwirkend zur Kasse gebeten.

Leistungen der Grundversicherung (KVG)

Die Grundversicherung ist bei allen Anbietern gesetzlich gleich geregelt. Das bedeutet: Unabhängig vom Versicherer bekommst du exakt die gleichen Leistungen – diese umfassen u. a.:

  • Arztbesuche (Allgemeinmedizin & Notfälle)
  • Spitalaufenthalte in der allgemeinen Abteilung
  • Medikamente auf der offiziellen Liste
  • Vorsorgeuntersuchungen (z. B. Gynäkologie, Impfungen)
  • Notfallversorgung im EU-Ausland (mit gewissen Einschränkungen)

💡 Zusatzleistungen wie Chefarztbehandlung, Einzelzimmer oder alternative Heilmethoden sind nicht enthalten – dafür brauchst du eine Zusatzversicherung nach VVG.

Kosten & Prämien: So viel kostet dich die Krankenversicherung in der Schweiz

Die Prämien der Krankenversicherung in der Schweiz variieren stark – je nach Wohnkanton, Alter, Franchise (Selbstbehalt) und Anbieter.

Durchschnittliche Monatsprämien 2024 (Grundversicherung, Erwachsene):

Kanton Ø Monatsprämie (CHF)
Zürich 390 – 460
Bern 360 – 430
Genf 450 – 520
St. Gallen 340 – 410
Waadt (Vaud) 420 – 490

➡️ In der Regel kannst du mit ca. 350–500 CHF pro Monat rechnen.

Franchise & Selbstbehalt: Du zahlst mit

In der Schweiz wählst du selbst eine Franchise – das ist der Jahresbetrag, den du bei medizinischen Leistungen zunächst aus eigener Tasche zahlen musst. Erst danach übernimmt die Versicherung 90 % der Kosten, den Rest (10 %) zahlst du als Selbstbehalt.

Franchise-Modelle für Erwachsene:

  • Min. Franchise: 300 CHF/Jahr (hohe Prämie, geringe Eigenbeteiligung)
  • Max. Franchise: 2.500 CHF/Jahr (niedrige Prämie, hohe Eigenbeteiligung)

💡 Wer jung & gesund ist, wählt oft die höchste Franchise, um die Monatsprämie zu senken.

Zusatzversicherungen: Lohnt sich der Aufpreis?

Die Zusatzversicherung nach VVG deckt Leistungen ab, die nicht in der Grundversicherung enthalten sind – z. B.:

  • Chefarztbehandlung
  • Halbprivat-/Privatspital
  • Brillen & Kontaktlinsen
  • Alternativmedizin
  • Auslandschutz (über EU-Deckung hinaus)

Diese Leistungen sind nicht gesetzlich geregelt – jede Versicherung bietet eigene Pakete an. Die Aufnahme erfolgt nicht garantiert – Anbieter dürfen dich ablehnen oder medizinische Fragen stellen.

Versicherungswechsel & Vergleich: So findest du den besten Anbieter

Alle Grundversicherer bieten die gleichen Leistungen – aber nicht den gleichen Preis. Ein Wechsel ist jährlich möglich (Kündigung bis 30.11. zum Jahresende).

👉 Gute Vergleichsportale:

Grenzgänger-Regelung: Wahlrecht zwischen Systemen

Wenn du in der Schweiz arbeitest, aber in Deutschland wohnst (Grenzgänger mit G-Bewilligung), hast du innerhalb von 3 Monaten nach Arbeitsbeginn ein Optionsrecht:

  • Du kannst dich in der Schweiz versichern (KVG)
  • Oder du wählst das deutsche System und bleibst bei deiner gesetzlichen Krankenkasse
  • Oder du entscheidest dich für eine private Krankenversicherung in Deutschland

Nach Ablauf der Frist ist deine Entscheidung bindend.

Fazit: Die Krankenversicherung in der Schweiz ist eigenverantwortlich – und teuer

Im Vergleich zu Deutschland ist die Krankenversicherung in der Schweiz deutlich teurer und individuell geregelt. Jeder trägt die volle Verantwortung für seinen Versicherungsschutz, Prämienhöhe und Leistungsumfang. Wer sich aber gut informiert, Anbieter vergleicht und gezielt auswählt, kann hochwertige Versorgung mit kalkulierbaren Kosten verbinden.

Unsere ausführliche Beitragsserie für deine Auswanderung in die Schweiz:

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